„Wo nehmen Sie
Hoffnung her, in so hoffnungslosen Zeiten?“
„Ich schöpfe sie
aus den kleinen Dingen, aus jeder freundlichen Geste, aus jedem geschenkten Lächeln,
aus jeder gereichten Hand, aus jeder Geste der Mitmenschlichkeit. Das Reservoir
ist überschaubar, der Überlauf kaum genutzt, doch die Quelle scheint
unerschöpflich. Immer noch.“
„Fänden Sie ewiges
Leben für die Menschen nicht wunderbar?“
„Die Vorstellung,
dass manche Menschen nicht irgendwann auf natürliche Weise diese Welt verlassen
würden, hat für mich den höchsten Gruselfaktor überhaupt. Ich bin also äußerst
dankbar für die Endlichkeit bzw. Transformation jedweden Lebens“
Der Optimist freut
sich über das halb volle Glas. Der Pessimist meckert ob der halben Leere. Beide
trinken das Wasser bei Durst mit dem gleichen Genuss.
„Sie hassen wohl
alle Rechtsradikalen, Frau Müller?“
„Hassen? Das wäre
ein bissl zu viel der Ehre und der Aufmerksamkeit. Ich nehme sie zur Kenntnis;
ordne ein, was sie treiben; kritisiere, lehne ab und manch einem dort Verirrten
schenk ich auch mein Mitgefühl. Alles andere wäre verschwendete Energie, die
ich positiv lieber Menschen mit einer anderen Weltanschauung und Lebenseinstellung
zukommen lasse.“
„Sie dürfen doch
das Tun von jemandem nicht durch vulgäre Wortwahl ab/bewerten!“
„Doch, manchmal
schon. Reguliert meine Sozialverträglichkeit und innere Gesundheit aufs Beste.
Jedes andere Verhalten meinerseits wäre als Reaktion sonst von strafrechtlicher
Relevanz oder eine mutwillige Selbstverletzung.“
Dafür sein ist
quasi die hohe Kunst der Rebellion und die eigentliche Kraft der Veränderung.
Sie ist das Lachen, welches sich aus dem Schmerz und dem Zorn erhebt und
Widerstände kreativ und geduldig überwindet.
Ja, ich bin
intolerant gegenüber bestimmten Haltungen. Aber sowas von. Was passiert, wenn
man auf dem politischen Parkett in der eigenen Toleranz, der Fairness, dem
korrekten, demokratischen Verhalten gegenüber Intoleranten, Unfairen,
Antidemokraten schwelgt, konnten wir 1933 erleben.
Eine
Lebenserfahrung, die mit viel Schmerz, tausend Umwegen und einem elendigen Hin
und Her verbunden waren: Ich nehme mich immer mit! Im Äußeren kann ich rennen,
hüpfen, tricksen, mich verstecken und doch im Inneren starr in Eiseskälte
verharren, vor Panik zittern, im alten Schmerz mich suhlen.