236. Hart


"Das Leben ist hart. Da gibt es nichts zu lachen."
"Und jetzt gehen Sie vor den Spiegel und sagen das Ganze noch einmal."
"Das ist doch lächerlich!"
"Eben."

235. Blinder Fleck


Die eigene Psyche ist wie ein blinder Fleck, den wir noch so toll ausleuchten können, wir kommen doch alleine nicht an das Wesentliche heran, denn wir tricksen uns zu gerne und zu oft mit früh gelernter Eloquenz komplett selber aus.

234. Absicherung


Wenn ich mir ein neues Buch kaufe, lese ich immer die letzte Seite zuerst.
Falls ich sterbe, bevor ich fertig bin, kenne ich wenigstens das Ende.

233. Hörbücher


Meine Erfahrung mit Hörbüchern: Wenn der. die Vorleserin an den spannendsten Stellen schläfrig die Stimme absenkt, bei lustigen Sequenzen griesgrämig nuschelt, die Stimme insgesamt in gleicher Tonhöhe wie eine alte Lok am Berg durch die Aufnahme keucht oder den Enthusiasmus eines eine Klassenarbeit kurz vor den Sommerferien schreibenden Achtjährigen transportiert, dann, ja dann kann die eigentlich saugute Textvorlage auch nichts mehr retten.

232. Mitgefühl


Mitgefühl zeichnet sich dadurch aus, dass es sich außerhalb eines Täter-Opfer Schemas befindet. Ich kann sehr wohl Mitgefühl mit einem Menschen haben, auch wenn ich sein Tun verabscheue, ablehne oder bekämpfe. Das eine hat mit dem anderen in meiner Welt nichts zu tun.

231. Für die Katz


Bei jedweder Form von Suchtverhalten gilt: Solange da noch ein inneres "Wann darf ich wieder?" ist, ist eigentlich jede Maßnahme und Intervention langfristig gesehen für die Katz. Wer darauf nicht achtet, will entweder Kohle mit falschen Versprechungen machen; ist in der Co-Abhängigkeit verfangen, verarscht sich selbst, oder will auf eine komische Art und Weise Macht ausüben bzw. sich selbst erhöhen.

230. Die Öffentlichen


Wenn ich früh morgens mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin, habe ich den Eindruck in einem stummen, traurigen Heer von Menschen in tiefster innerer Emigration unterwegs zu sein.

229. Der Unterschied


„Schätzchen, ich verreck am echten Leben, derweil du noch darüber grübelst, welche Nuancen in dieser oder jener Theorie nachgeschliffen oder gar gänzlich abgelehnt werden müssten.“

228. Paarung


Das innere Kind reicht dem alten Weib kichernd die Hand.
Eine Paarung mit Sprengkraft. Was haben wir zu verlieren? Eben!

227. Nenn sie beim Namen


Nenne es nicht "Kinderpornografie" sondern "Sexuelle Gewalt an Kindern"!
Nenne diejenigen, die sich das ansehen, nicht "Nutzer oder Konsumenten", sondern "Täter"!
Nenne diejenigen, die wegsehen und schweigen, nicht Ignoranten, sondern "Mittäter"!

226. Deine Angst


Wenn deine Angst mein Gewinn ist, warum sollte ich dann irgendwas tun, damit du deine Ängste verlierst? Ganz im Gegenteil werde ich sie doch lieber mir zum Wohle weiter nähren und füttern. Du wirst dich dann in deinen Ängstlichkeiten derart verfangen, dass du mich, ohne große weitere Anstrengungen meinerseits, immer wieder als den Heilsbringer hofieren wirst. Denn ich gebe deinen Ängsten Namen und Gesichter. Meine vermeintliche Größe gibt dir das Gefühl, deine Ängste in den Griff zu bekommen. Du wächst ein kleines bisschen innerlich, indem du mich groß machst. Ohne mich wärst du vielleicht einfach nur mutig, kreativ, flexibel, lebendig. Doch ich wäre dann ein Nichts. Das kann und werde ich nicht gut heißen. Also lass uns weiter nach meiner Melodie tanzen. Tanze, tanze, tanze, du dummes Ding.

225. Keinen Grund


Warum sollten Menschen, die super reich, satt, voller Einfluss und Macht sind, an den Verhältnissen, die sie dazu mach(t)en, etwas ändern wollen? Nennt mir einen ihnen verständlichen Grund.

224. Monster


Es ist deine Angst, von der sich Gespenster und Monster nähren. Wird sie kleiner, dann schwinden auch sie und sind zuletzt nur ein winziger Pups im Wind.

223. Nicht wissen


Mich erschreckten schon immer die prompten, glatten Antworten auf verzwickte Fragen und dass sich kaum jemand mehr traut zu sagen: Ich weiß es auch noch nicht!

222. Internet


Das Schöne am Internet ist, dass ich mitten in der Nacht mit jemandem am anderen Ende der Welt den Sonnenaufgang via Skype erleben kann.
Das Zweitschönste ist, dass, wenn man nachts virtuell um die Welt wandert, man ganz und gar kostenlos all seine Fremdsprachenkenntnisse aufgebessert bekommt.
Das Drittschönste ist, dass man es, immer wenn man will, einfach abschalten kann.

221. Dunkles Schweigen


Ich hatte das Glück, dass niemand von meinen Erwachsenen damals behauptete, man hätte von nichts gewusst.
Ich hatte jedoch das Pech, dass sie mir niemals erzählten, was das alles mit ihnen machte und immer weiter gemacht hat. Da war ein großes, dunkles Schweigen.

220. Nicht aus Mangel

Sicher ist der Mangel oft der Hauptgrund des Begehrens. Doch wer kann sich anmaßen zu behaupten, dass es nicht auch anders sein kann? Vergnügen am reinen Überschuss? Lust an purer Verschwendung? Verteilung von Liebe und Intensitäten, ganz ohne Mangel? Dass man begehren kann, ohne etwas zu vermissen?!

219. Wahrheiten

Ich mag den Begriff "Missbrauch" nicht, weil er suggeriert, es gäbe womöglich einen nicht misslichen "Gebrauch". Warum spricht man eigentlich nicht durchgängig von sexueller Gewalt? Nichts anderes ist es doch: Gewalt, die Sexualität zu ihrem Instrument macht, oder?

218. Wahrheiten


Eine Wahrheit? Deine Wahrheit?
Wassertröpfchen im Fluss des Lebens.
Vorbeiziehend. Vermischt. Verdunstet.
Aufbewahrt? Im Augenblick. Wahrhaftig.

217. Gefährdet


„Stehen wir schon auf der Liste der gefährdeten Arten?“
„Nein, aber wir arbeiten dran. Wir arbeiten wirklich dran!“