157. Symtome

Symptome sind immer ernst zu nehmende Hilfeschreie des gesamten inneren Systems. Sie sind quasi die letzten Ausrufezeichen, die vehement darauf hinweisen, dass irgendetwas so ganz und gar nicht in Ordnung ist, und dass ein anderes Kommunikationsmittel der Seele zurzeit nicht mehr zur Verfügung steht.

156. Augenblicke

Wenn ich mich befreien kann
von den Sorgen und Nöten
einer ungewissen Zukunft
Wenn ich aufhöre denkend in allen
Eventualitäten des Kommenden zu kreiseln
Unwägbarkeiten nicht mehr in Stein meißle
Wenn ich Vergangenheit sein lasse
zweifelndes Misstrauen in Quarantäne schicke
mich ganz und gar dem Jetzigen zuwende
Dann schärfen sich alle Sinne und mein Herz
atmet Hoffnung im Sekundentakt
Für einen Augenblick

155. Hoffnung

Woher nimmst du Hoffnung
in solch hoffnungslosen Zeiten?

Ich schöpfe sie aus den kleinen Dingen,
aus jeder freundlichen Geste,
aus jedem unverhofft geschenktem Lächeln,
aus jeder überraschend dar gereichten Hand.
Das Reservoir ist überschaubar,
der Überlauf kaum genutzt,
doch die Quelle scheint unerschöpflich.
Immer noch.  

154. Folgekosten

Wer durch die Gier nach Macht und Reichtum Fluchtursachen schafft, sollte auch für die Folgekosten aufkommen.

153. Bindungen

Bindung und Loslassen - ein untrennbares Paar. Das eine, Loslassen, geht ohne eine sichere und stabile Bindung nicht. Das andere, Bindung, wird schräg, wenn aus dem Wir nicht mit der Zeit ein klar unterscheidbares Du und Ich (Loslassen) wird.

152. Zumutungen

Solange wir als Menschen dem Menschen zumuten elendig zu verrecken, halte ich es für zumindest ebenso zumutbar, sich die Ergebnisse dieser Zumutungen zuzumuten.
Vielleicht kommt nach dem Kotzen endlich der Zorn.

151. Kitsch

Manchmal braucht es Banales und Kitsch, weil nur diese dann den Schmerz bis auf den Grund begleiten können.

150. Gemeinsam gehen?

Im Dagegen könnten wir uns treffen,
doch im Dafür entscheidet sich,
ob wir den Weg gemeinsam gehen.

149. Schulbildung

Schulbildung sagt aus: Du hast es geschafft fast jeden Morgen regelmäßig aufzustehen und die Hälfte des Tages an einem Ort zu verbringen, denn du eigentlich nicht magst, mit Menschen zusammen zu sein, die du eigentlich nicht leiden kannst und dich einer Autorität zu beugen, die du eigentlich nicht akzeptierst. Und das ohne gänzlich verrückt zu werden. Das, was das Leben schön und wunderbar und dich zu einem liebenswerten und einmaligen Menschen macht, hast du trotzdem gelernt. Das zeichnet dich aus und dafür gibt es keine Note.

148. Ermutigung

Der Mensch ist das einzige Tier, das beim Töten 
Unrecht und Scham empfinden könnte.
Darauf sollten wir unsere Hoffnung bauen. 

147. Vorkommen

„Was denken die Reichen und Mächtigen wohl über jemanden wie dich?“
„Gar nichts. Ich komme in deren Gleichungen überhaupt nicht mehr vor.“

146. Sichtbar

Zuwanderung schafft keine neuen gesellschaftlichen Defizite,
sie macht die schon lange vorhandenen nur sichtbarer.

145. Wahlfreiheit

Man muss nicht in Hass, Gewalt oder gar in geistige Verblödung verfallen, nur weil das Leben ab und an kein Ponyhof ist. Die Entscheidung, welche Prioritäten man in seinem Leben setzt, ist immer noch die eigene. Diese Wahl hat jeder Mensch.

144. Heimlich?

"Träumst auch du heimlich von einer friedlichen Welt?"

"Wieso denn heimlich"?

143. Deine Verantwortung

So etwa: Ich kann verstehen, warum du so bist, wie du bist. Aber das entschuldigt nicht dein Tun. Es gibt so viele Menschen, die unter genau den gleichen beschissenen Umständen wie du groß geworden sind und sie sind trotzdem offen, freundlich, liebevoll, selbst denkend und mitfühlend. Kein Ablasshandel also. Deine Entscheidungen. Deine Verantwortung. Aus dieser Kiste kommst du nicht raus. 

142. Meine Themen

„Gewalt, Rassismus, Erziehung? Frau Müller, könnten Sie bei Ihren Themen bleiben!“

„Aber, das! sind meine Themen. Gerade als Therapeutin.“

141. Wen interessiert es

"Auf deutsch: Wir gehen denen doch am Arsch vorbei."
"Denen?"
"Denen, die noch an unserem elendigen Verrecken ihr Maximum an Profit rausschinden. Denen, genau denen."

140. Alles schon gesagt

Und allereigentlich ist eh schon alles Wesentliche vor Abertausenden von Jahren in Höhlen an die Wände gekratzt und in Stein gemeißelt worden: Jagen, essen, kämpfen, lieben, fortpflanzen und dafür kreative Beschreibungs- und Ausdrucksformen finden (Kunst/Philosophie/Mathematik) - fertig. Ich finde das beruhigend und entlastend. 

139. Hass und Verzweiflung

Wenn du nichts mehr zu verlieren hast, wenn alle Hoffnung dir genommen wurde, dann bleibt nur blanke gärende Wunde. Hier wird dem zukünftigen Hass, geboren aus abgrundtiefer Verzweiflung, ein fruchtbarer Boden bereitet. Es wird uns um die Ohren fliegen. Zu Recht. Völlig zu Recht.

138. Kuschelig

Ich bin nicht mit einer seltsam sehnsüchtigen, kuscheligen Spontaneität gesegnet.
Das macht es auch nicht einfacher.