Und allereigentlich
ist eh schon alles Wesentliche vor Abertausenden von Jahren in Höhlen an die
Wände gekratzt und in Stein gemeißelt worden: Jagen, essen, kämpfen, lieben,
fortpflanzen und dafür kreative Beschreibungs- und Ausdrucksformen finden
(Kunst/Philosophie/Mathematik) - fertig. Ich finde das
beruhigend und entlastend.
139. Hass und Verzweiflung
Wenn
du nichts mehr zu verlieren hast, wenn alle Hoffnung dir genommen wurde, dann
bleibt nur blanke gärende Wunde. Hier wird dem zukünftigen Hass, geboren aus
abgrundtiefer Verzweiflung, ein fruchtbarer Boden bereitet. Es wird uns um die
Ohren fliegen. Zu Recht. Völlig zu Recht.
138. Kuschelig
Ich
bin nicht mit einer seltsam sehnsüchtigen, kuscheligen Spontaneität gesegnet.
Das macht es auch nicht einfacher.
137. Sprachverrohung
Die Verrohung der
Sprache ist die Planierraupe für reale Gewalt,
da sie die antrainierten Hemmschwellen im sozialen Verhalten glättet.
da sie die antrainierten Hemmschwellen im sozialen Verhalten glättet.
136. Seelenhunger
Wie hungrig muss die
kindliche Seele damals geblieben sein,
wenn der erwachsene
Mensch sich schon mit ein paar spärlich
verteilten Häppchen
einer doch selbstverständlichen,
mitmenschlichen
Aufmerksamkeit anscheinend gesättigt fühlt.
135. Regeleien
Eine der wichtigsten
Regeln, die mein Großvater mir schenkte:
Du kennst die
Regeln. Du kennst die Folgen eines Regelbruches.
Wenn du die Regeln
brichst, dann tue es bewusst.
Mit ganzem Herzen.
Und dann trage die Konsequenzen.
Ohne zu jammern.
134. Statistik
Eine
Hand auf der heißen Herdplatte, andere Hand im Eiswasser. Statistik würde
sagen: Deine Temperatur ist im angenehmen Wohlfühlbereich.
133. Nennt es beim Namen
Nennt
Gewalt Gewalt, Mord Mord, Folter Folter, Krieg Krieg. Lasst die verlogenen
Mäntelchen von Religion und sonstigen Quatsch dabei einfach weg.
132. Mein Schmerz
Ich kleidete so
manchen Schmerz von mir in feine Worte, doch taucht er ab und an überraschend
wohlgelaunt im alten Gewande auf, hebt sein Köpfchen und schleudert mich mit
einem zwinkernden Grinsen in die emotional klebrigen Netze von vergangenen
seelischen Verletzungen, von denen ich annahm, sie seien längst vermodert und die doch so beißend
verbissen im Jetzt verweilen mögen.
131. Deine Verantwortung
Die Reflexion der
eigenen Geschichte, das Resümee aus den eigenen Erfahrungen – deine
Verantwortung. Und nur dir selbst gegenüber bist du rechenschaftspflichtig.
Dein einziger
Maßstab sei der selbstkritische Blick in den Spiegel: Erkennst du dich noch?
Liebst du dich noch? Bist das noch du, oder schaut dich da ein Fremder, eine
Fremde an?
130. Definition Rassismus
Meine Definition von
Rassismus: Abwertung und daraus folgende Diskriminierung von Menschengruppen
aufgrund von frei und willkürlich zugeschrieben negativen Eigenschaften, die
sich angeblich kausal festmachen lassen an Herkunft, Ethnie, Religion, Status,
Alter, Geschlecht, sexueller Identität.
Anders: Einer nicht
homogenen Gruppe eine Homogenität lediglich aufgrund von Herkunft, Ethnie,
Religion, Status, Alter, Geschlecht oder sexueller Identität zu unterstellen
und dieser imaginierten Gruppe und jedem potentiellen Gruppenmitglied dann
pauschalisierend und willkürlich negative Eigenschaften zuzuschreiben, um im
Weiteren aufgrund der vorgeblichen Logik, Diskriminierungen zu rechtfertigen.
129. Meine Zufriedenheit
„Was bedeutet Zufriedenheit für Sie, Frau Müller?“
„Dass ich das, was ich bin, auch sein will und sein darf.“
128. Menschentier
Der
Mensch ist ein anmaßendes Getier und letztendlich
zahlt er früher oder später den
Preis dafür.
127. Wahlfreiheit
Jeder
Mensch hat das Recht zwischen einer Vielfalt von gleichwertigen Lebens- und
Beziehungsmodellen frei und eigenverantwortlich für sich wählen zu können. Aus
dieser Wahl dürfen weder ihm noch einem anderen Menschen gravierende
psychische, soziale, gesellschaftliche, wirtschaftliche oder sonstige Vor- oder
Nachteile entstehen.
126. Heimat
Heimweh
ist die Sehnsucht nach Gefühlen, die wir im Nachhinein bestimmten Orten
zuordnen. Doch wir und die Orte haben uns längst verändert. Es gibt kein
Zurück.
125. Draußen
Alles, wovor du dich
ängstigst, wird passieren. Na, bravo!
Dann könntest du
auch die Tür öffnen und draußen
das Unbekannte dir
bekannter machen.
124. Keine Anpassung
Wenn
Gegebenheiten dich krankmachen, dann liegt Heilung nicht darin,
dass du dich
besser an diese anpasst, sondern dass du sie veränderst.
123. Depression
"Reiß dich
zusammen!"
"Da ist nichts mehr, was ich zusammenreißen könnte.
Fliegende Fetzen, unendlich viele fliegende Fetzen. Und bei jedem, den ich
taumelnd erwische, frag ich mich, ob dieser wirklich zu mir gehören könnte,
denn ich erkenne ihn nicht."
122. Hass ist
Hass ist keine
Meinung, sondern ein Affekt, der wenig bis gar
nichts mit kognitiven Prozessen zu tun hat.
121. Kosten - Nutzen
Klar,
Bildung hat ihren Preis. Dummheit gibt es umsonst und kostet uns unterm Strich
aber mehr als nur irrsinnig viel Geld.
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